Startseite » Hillsborough-Katastrophe
Die Hillsborough-Katastrophe ist das schwerste Stadionunglück in der Geschichte des britischen Fußballs. Am 15. April 1989 kam es beim FA-Cup-Halbfinale zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest im Hillsborough-Stadion in Sheffield zu einem tödlichen Gedränge im Fanblock. 97 Menschen starben an den Folgen. Die Katastrophe veränderte den Fußball in England und weit darüber hinaus.
Was geschah
Das Halbfinale fand auf neutralem Boden statt. Die Liverpool-Fans wurden der Leppings-Lane-Tribüne zugeteilt, einem Stehplatzbereich, der durch Zäune in mehrere „Pens“ unterteilt war. Vor dem Anpfiff staute sich vor den Drehkreuzen eine große Menschenmenge. Um das Gedränge draußen zu entschärfen, ließ die Polizei ein Ausgangstor öffnen. Tausende Fans strömten durch einen Tunnel direkt in die beiden mittleren Pens, die bereits überfüllt waren. Weil die Zäune zum Spielfeld eine Flucht verhinderten, wurden Menschen gegen die Absperrungen gedrückt. Das Spiel wurde nach wenigen Minuten abgebrochen.
Die Opfer
Zunächst starben 96 Menschen, die meisten von ihnen jung. 2021 wurde ein weiterer Fan, der seit 1989 an den Folgen seiner Verletzungen litt, als 97. Opfer anerkannt. Hunderte wurden verletzt, viele Überlebende leiden bis heute unter den Folgen.
Der Kampf um die Wahrheit
Unmittelbar nach dem Unglück wurden die Fans selbst für die Katastrophe verantwortlich gemacht. Eine Boulevardzeitung verbreitete falsche Vorwürfe über das Verhalten der Liverpool-Fans, die in Liverpool bis heute nicht vergessen sind. Die Familien der Opfer kämpften über Jahrzehnte für eine Aufklärung.
2012 veröffentlichte ein unabhängiges Gremium Dokumente, die zeigten, dass Polizeiberichte nachträglich verändert worden waren. Eine neue gerichtliche Untersuchung kam 2016 zu dem Ergebnis, dass die Opfer widerrechtlich getötet wurden und dass das Verhalten der Fans nicht zur Katastrophe beigetragen hatte. Hauptursachen waren Fehler der Polizei bei der Einsatzleitung sowie Mängel am Stadion.
Folgen für den Fußball
Der von Lord Justice Taylor verfasste Taylor-Report von 1990 führte zu tiefgreifenden Veränderungen:
- In den höchsten englischen Ligen mussten Stadien zu reinen Sitzplatzstadien („all-seater“) umgebaut werden.
- Zäune zwischen Zuschauern und Spielfeld wurden abgebaut.
- Sicherheitskonzepte, Einlasssteuerung und Ordnerdienste wurden professionalisiert.
Mit den Umbauten veränderte sich auch die Fankultur: Die Eintrittspreise stiegen deutlich, und viele Fans aus der Arbeiterschicht konnten sich Spiele nicht mehr leisten.
Die Debatte um Stehplätze
In Deutschland blieben Stehplätze erhalten – ein Grund, warum die Bundesliga für ihre Atmosphäre und günstigen Tickets bekannt ist. Moderne Stehplatzbereiche mit Sicherheitsbügeln („safe standing“) gelten als sicher. In England wurden solche Bereiche nach langer Debatte in den letzten Jahren wieder zugelassen. Die Diskussion zeigt, wie sehr Hillsborough die Frage geprägt hat, wie Sicherheit und Fankultur zusammenpassen.
Erinnern
In Liverpool erinnern Gedenkstätten an die Opfer, und der Jahrestag wird jedes Jahr begangen. Viele Groundhopper besuchen Hillsborough auch aus diesem Grund – mehr dazu unter Groundhopping in England. Die Geschichte des Stadions zeigt, dass Fankultur und Sicherheit untrennbar zusammengehören. Was das für die Gestaltung von Fanblöcken bedeutet, ist auch Thema unter Fanatismus.